Nie wieder ist jetzt - auch in der Bezirksversammlung
Harburg. #niewiederistjetzt – das galt nicht nur auf der Demo gegen Rechts mit 3.000 Teilnehmern auf dem Herbert-und-Greta-Wehner-Platz in Harburg (besser-im-blick berichtete: Harburg: 3.000 Menschen demonstrieren gegen rechtsextreme Umtriebe), sondern auch in der Bezirksversammlung in der Woche darauf. Gleich zu Beginn der Sitzung setzten SPD, Grüne und Linke ein Zeichen.
Als die AfD ihr Thema für die Aktuelle Stunde vortragen wollte, verließen Grüne und Linke den Sitzungssaal im Rathaus. Währenddessen hielt die SPD Schilder von der Demo mit der Aufschrift „Ich bin Verfassungsschützer:in“ in die Höhe. Da musste die Sitzungsleiterin Regina Marek von den Grünen eingreifen. Sie erteilte Ordnungsrufe an die SPD-Mitglieder.
"Wir schützen unsere Demokratie"
Aber damit war es nicht zu Ende. Richtig los ging es erst, als der gemeinsame Antrag von SPD, Grünen, CDU und Linken aufgerufen wurde, die Bushaltestelle „Neugrabener Heideweg“ in Neugraben in „KZ-Gedenkstätte Außenlager Neugraben“ umzubenennen. Der Antrag geht auf eine Initiative der Schülerinnen und Schüler des Profils Sprache und Kultur des Gymnasiums Süderelbe zurück, die auch zahlreich anwesend waren.

In ihrer Rede zur Begründung des Antrags setzte Natalia Sahling, stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende, ein klares Zeichen gegen Rechts. Nachdem sie an die furchtbaren Lebensbedingungen der weiblichen KZ-Häftlinge im Frauenlager erinnert hatte, schlug sie eine Brücke zu heute. „In Anbetracht der heutigen gesellschaftlichen Entwicklungen, in denen bei einem Treffen radikaler Rechter wieder Deutsche über Deportationspläne fantasieren, Vertreter:innen der AfD, in den Parlamenten und auch hier heute sitzen, einer Partei in der regelmäßig der Holocaust verharmlost und die NS Zeit als Vogelschiss relativiert wird und wieder radikale antisemitische und menschenverachtende Ansichten in der Gesellschaft zunehmen, ist es von größter Bedeutung, auf die grässlichen Taten der Vergangenheit aufmerksam zu machen“, sagte Sahling mit Blick wohl auch auf die anwesenden AfD-Bezirksvertreter.
Die Umbenennung der Bushaltestelle sei nicht nur überfällig und auch nicht nur eine symbolische Geste gegen das Vergessen. „Sondern ein wichtiger Schritt, die Erinnerungskultur im Stadtteil Neugraben weiter hin zu pflegen und Wissen an folgende Generationen weiterzugeben“, sagte Sahling weiter.
Man habe bei der Kundgebung auf dem Herbert-und-Greta-Wehner-Platz ein starkes Zeichen gegen rechte Hetze und die AfD gesetzt. „Wir schützen unsere Demokratie und werden nicht zulassen, dass sich die Geschichte wiederholt. Nie wieder“, schloss Natalia Sahling unter dem Applaus der (allermeisten) Anwesenden.
Schlussendlich wurde der Antrag einstimmig angenommen. Die Schülerinnen und Schüler des Profils Sprache und Kultur des Gymnasiums Süderelbe freute es. „Wir widmen die Umbenennung dem Fakt, dass Menschen hier gegen ihren Willen arbeiten mussten und gelitten haben“, sagte Sophia Azimi (17) aus der 12. Klasse des Gmynasium Süderelbe.
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