Der neue CDU-Kreisvorsitzende im Interview: Wir sind gut aufgestellt
Harburg. Seit wenigen Tagen ist André Trepoll, Bürgerschaftsabgeordneter der CDU aus Süderelbe, neuer Kreisvorsitzender der Harburger CDU. Im Interview mit Andreas Göhring nimmt er Stellung zu aktuellen Harburg-Fragen wie der Karstadt-Immobilie, Verkehrspolitik, der geplanten Brückenverbindung zwischen Innenstadt und Binnenhafen sowie zu der Frage, ob er als Kandidat für den Posten des Bezirksamtsleiters im Herbst zur Verfügung stünde.
Frage: Nach sechs Jahren ein neuer Kreisvorsitzender und zugleich Rückzug des langjährigen Kreis- und Fraktionschefs Ralf-Dieter Fischer wird zu neuen Rollenverteilungen in der Harburger CDU führen. Werden Sie die Chance nutzen und mehr Akzente in der Bezirkspolitik setzen?
André Trepoll: Nirgendwo erleben die Bürgerinnen und Bürger die Auswirkungen von Politik so unmittelbar wie bei Entscheidungen für ihr direktes Lebensumfeld – in Hamburg auf der Bezirksebene. In der Harburger CDU haben wir mit Birgit Stöver und mir zwei überaus engagierte Bürgerschaftsabgeordnete, die sich sehr für die Menschen in Harburg einsetzten. Gleiches gilt für unsere Bezirksabgeordnete und unseren Spitzenkandidaten Rainer Bliefernicht. Wir alle sind erfahren und wissen, wo in Harburg der Schuh drückt, und wollen etwas zum Besseren verändern. Diese Teamarbeit macht enorm Spaß und sorgt dafür, dass wir unsere ganze Kraft in die Arbeit für die Bürger stecken können. Dies war in der Vergangenheit nicht immer so – und daran leiden aktuell wohl andere Parteien in Harburg. Die CDU Harburg ist motiviert und gut aufgestellt und ich stehe gerne an ihrer Spitze.
Frage: Vorausgesetzt die Stadt schafft es, die Karstadt-Immobilie zu kaufen: Was wäre für Sie eine gute Lösung für die künftige Nutzung des Areals?
André Trepoll: Rot-Grün hat es in der Vergangenheit versäumt, Harburgs Innenstadt zukunftsfähig zu machen und sorgt nun mit dem bisher gescheiterten Ankauf des Karstadt-Gebäudes für weitere Verunsicherung. Harburgs City muss lebendig, sicher und attraktiv sein. Mit der IKEA-Ansiedlung in der Innenstadt in Altona wurde viel für die dortige Belebung getan. In Wandsbek zieht eine private Hochschule mit 1.200 Studenten in das dortige Karstadtgebäude. Eine ähnliche Sogwirkung brauchen wir auch in der Harburger Innenstadt. Das Karstadtgebäude ist ein Schlüsselgrundstück und braucht entsprechende politische Priorität.
Frage: Sie haben für Harburg eine Verkehrspolitik gefordert, die sich nach den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger richtet. Welche Bedürfnisse gibt es und was führt Sie zu dieser Erkenntnis?
André Trepoll: Harburg ist nicht Eimsbüttel. Harburg liegt am Rand Hamburgs. Sehr viele Menschen pendeln zur Arbeit und sind auf eine verlässliche und funktionierende Verkehrsinfrastruktur angewiesen. Wir wollen mehr Kapazitäten bei der S-Bahn und weniger Ausfälle. Wir wollen keine kaputten Radwege sondern deren sinnvollen Ausbau. Wir brauchen kein Mega-Fahrradparkhaus, das nicht genutzt wird, und keinen massiven Abbau von Parkplätzen wie er beispielsweise. in der Haakestraße geplant ist. Wir brauchen die Entlastung Harburgs vom Verkehr durch die A 26 Ost. Warum muss die Sanierung der Bremer Straße drei Jahre dauern? Warum soll das Mobilitätskonzept Hop bald schon wieder aus Harburg verschwinden? Das versteht doch kein Mensch! Unser Leitmotiv lautet: Verkehrsberuhigte Nebenstraßen und leistungsfähige Hauptstraßen – wir wollen, dass die Bürger in ihrem Wunsch nach individueller Mobilität eine große und zuverlässige Auswahl haben.
Frage: Die Technische Universität ist ohne Frage eine Perle des Bezirks, die gepflegt werden muss. Haben Sie Ideen, wie Harburg zu einer attraktiven Universitätsstadt mit hoher Lebensqualität werden kann?
André Trepoll: Die TU ist ein wirklicher Leuchtturm für Harburg. Leider droht die Entwicklung der TU aktuell stecken zu bleiben, weil ihr die Räumlichkeiten für das Wachstum fehlen. Aus meiner Sicht muss die Erweiterung vor allem im Binnenhafen erfolgen. Wirtschaft und Wissenschaft zusammen – das macht Sinn. Gleichzeitig sollte dort auch die Freizeit- und Aufenthaltsqualität steigen. Wir brauchen endlich wieder einen dauerhaften Beachclub dort, um weiteres studentisches und urbanes Flair zu entwickeln.
Frage: Sie sprechen es an: Eine weitere Perle ist der Binnenhafen. In der Potenzialanalyse für das neue RISE-Gebiet wird die Wichtigkeit von attraktiven Verbindungen zwischen Binnenhafen und Innenstadt betont. Trotzdem hat die CDU-Fraktion die geplante Brücke im Straßenzug Schloßmühlendamm/Harburger Schloßstraße abgelehnt. War das gerade in Hinblick auf mögliche Koalitionsverhandlungen nach der Bezirkswahl nicht ein wenig voreilig?
André Trepoll: Die Trennungswirkung, die durch die Bahntrassen dort entstanden ist aufzulösen, das hat die CDU schon in den 90ziger Jahren gefordert. Innenstadt und Binnenhafen müssen wieder zusammenwachsen. Der aktuelle Vorschlag eignet sich dafür nicht. Ein solches „Brückenmonster“ in die Innenstadt zu stellen, das weder barrierefrei ist, noch auf die gewachsene Bebauung Rücksicht nimmt, macht keinen Sinn und würde die Innenstadt nur zusätzlich belasten. Außerdem haben SPD und Grüne in Hamburg bisher keinen einzigen Cent für Realisierung bereitgestellt.
Frage: Schlägt der aktuelle Bundestrend auch in Harburg durch, könnte die CDU die stärkste Fraktion stellen und für eine Koalition in Frage kommen Wer wäre dann Ihr Wunschpartner? Und wen schließen Sie als Partner aus?
André Trepoll: Harburg braucht wieder mehr CDU. Rot-Grün in Harburg beschränkt sich auf das Abnicken von Entscheidungen, die in Hamburg getroffen werden. Das ist viel zu wenig. Unsere Ideen und unser Selbstbewusstsein würden Harburg bei der Entwicklung guttun. Wer nach einer erfolgreichen Wahl mit uns zusammenarbeiten könnte, entscheiden wir nach diesen Kriterien. Die AfD kommt dafür nicht in Frage.
Frage: Als Jurist mit Verwaltungserfahrung wären Sie bei entsprechender Konstellation durchaus ein Kandidat für die mögliche Wahl eines neuen Bezirksamtsleiters, Haben Sie darüber schon einmal nachgedacht?
André Trepoll: Ein Harburger Bezirksamtsleiter muss sich als Harburger Bürgermeister verstehen. Er oder sie muss das Selbstbewusstsein Harburgs nach Hamburg transportieren und darf sich nicht nur als Verwaltungsleiter verstehen. Er muss präsent sein, den Austausch mit der Politik und unseren vielen Vereinen und Verbänden suchen. Nur ein paar Sprechstunden am Schreibtisch reichen dafür nicht aus. Dabei ist die Parteizugehörigkeit nicht entscheidend, dass haben Torsten Meinberg und Thomas Völsch in ihrer Zeit als Bezirksamtsleiter eindrücklich bewiesen. Mit dieser Frage werden sich die neugewählten Bezirksabgeordneten unmittelbar nach der Wahl beschäftigen müssen, da die Amtszeit der aktuellen Bezirksamtsleitung bereits im Herbst diesen Jahres endet. Die CDU wäre auch dafür gut aufgestellt.
