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Hamburgs DGB-Vorsitzende Katja Karger: Coronahelden haben mehr als Applaus verdient

| Katja Karger | Politik
Katja Karger, DGB-Vorsitzende Hamburg, sagt: Coronahelden haben mehr als Applaus verdient. | Foto: Peter Bisping
Katja Karger, DGB-Vorsitzende Hamburg, sagt: Coronahelden haben mehr als Applaus verdient. | Foto: Peter Bisping
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Gastbeitrag. Katja Karger, Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbuns (DGB) Hamburg, hat für besser-im-blick einen Gastbeitrag zur aktuellen Lage der "systemrelevanten" Kolleginnen und Kollegen geschrieben:

Coronahelden haben mehr als Applaus verdient

Unseren Applaus haben sie sich verdient: Die Beschäftigten, die gerade den Laden am Laufen halten. Ob in den Krankenhäusern, der Pflege, das Sicherheitspersonal, die Polizist/-innen, Verkäufer/-innen oder Erzieher/-innen. Sie sind unsere „Corona-Held/-innen“.

Doch was sagt eine Pflegerin in den sozialen Medien: „Euer Klatschen könnt ihr euch sonst wo hinstecken.“

Und ehrlich gesagt: Ich kann das verstehen. Denn unser Applaus mag eine gute Geste, ein respektvolles Zeichen sein. Doch brauchen tun die Beschäftigten etwas anderes: Bessere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen. Und zwar dauerhaft, auch über die Corona-Krise hinaus.

Denn was verdient eine Frau, die an der Kasse im Supermarkt arbeitet? Laut letzter Verdienststrukturerhebung im Durchschnitt nicht einmal 10 Euro brutto pro Stunde.
Wir vom Deutschen Gewerkschaftsbund wollen, dass sich dies ändert. Prämien und steuerfreie Boni, wie sie augenblicklich diskutiert werden, sind attraktiv. Wichtiger aber wäre eine Kurskorrektur.

Diese Berufe müssen generell aufgewertet werden. Denn spätestens jetzt wird deutlich, wie wertvoll sie für unsere Gesellschaft sind.

Aber die Realität sieht anders aus: Im Jahr 2018 waren nach Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) nur noch 36 Prozent der Beschäftigten im Einzelhandel durch Tarifverträge geschützt, die für geregelte Arbeitszeiten und faire Bezahlung sorgen. Ähnlich sieht es in anderen Branchen wie der Pflege aus.

Das muss sich ändern! Doch Arbeitgeber blockieren mehr Tarifbindung, um die Löhne weiter niedrig zu halten. Weil sie sich dadurch auch vor Verhandlungen mit uns, den Gewerkschaften, drücken, brauchen wir die Unterstützung von der Politik. Sie muss Druck ausüben, damit sich etwas tut.

Und aktuell in der Krise müssen die Arbeitgeber außerdem besonderes Augenmerk auf ihre Kontroll- und Fürsorgepflichten legen, denn die ohnehin belastenden Arbeitsbedingungen zum Beispiel der Pflegekräfte werden durch die Pandemie noch einmal erheblich erschwert. Es darf nicht sein, dass Arbeitgeber den Arbeitsschutz und die Ruhezeiten hintenanstellen, um die personellen Kapazitäten zu erhöhen.

Dass die Beschäftigten irgendwann wegen psychischer und körperlicher Überlastung in die Knie gehen oder sich wegen mangelnder Schutzausrüstung infizieren und ausfallen, müssen wir unbedingt verhindern, auch um die medizinische Versorgung weiter sicherzustellen. Auch Bundesgesundheitsminister Spahn ist jetzt in der Verantwortung, ausreichend Schutzausrüstung zu beschaffen.

Noch einen Aspekt möchte ich hervorheben: In den aktuell als systemrelevant bezeichneten Branchen arbeiten vorwiegend Frauen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat errechnet, dass rund 90 Prozent aller Menschen in diesen Berufen unterdurchschnittlich verdienen.

Es sind ebenfalls Frauen, die sich daheim jetzt noch mehr um die unbezahlte Sorgearbeit kümmern würden, um Kinderbetreuung, häusliche Pflege oder Haushalt. Viele laufen deswegen jetzt Gefahr, als Erste ihren Job zu verlieren oder deutliche Gehaltseinbußen in Kauf nehmen zu müssen. Und das, wo Frauen sowieso schon das größere Armutsrisiko tragen als Männer.

Auch hier ist ein Umdenken nötig. Eine Aufwertung ihrer Arbeit, sowie eine fairere Verteilung der Sorgearbeit zwischen den Geschlechtern.

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