Meine Meinung: Video aus der Bezirksversammlung – und auf einmal geht es doch | Über die Verachtung der lokalen Presse durch lokale Politik(er)

Screenshot des Live Streams der Harburger Bezirksversammlung auf youtube. | Quelle: Youtube

Kommentar. So einfach kann es gehen. Seit Jahren weigert sich eine Mehrheit der Abgeordneten in der Harburger Bezirksversammlung, Videoaufzeichnungen durch die lokale Presse zum Zwecke der Berichterstattung zuzulassen. Vor allem die Abgeordneten der SPD hatten immer wieder Bedenken darüber geäußert, wie sie wohl dann beim Wahlvolk rüberkämen. Zum Teil gab es sogar die Unterstellung, die lokale Presse wolle ja nur Schindluder mit den Aufzeichnungen treiben und Abgeordnete lächerlich machen. . Außerdem verbiete die Geschäftsordnung Videoaufzeichnungen – im Übrigen als einzige aller sieben Bezirke.

Nun wurde im Zuge der Coronapandemie und der daraus resultierenden eingeschränkten Öffentlichkeit der Gremien ein Live Stream von Seiten des Hamburger Senats in allen Bezirksversammlungen angeschoben – auch in Harburg. Dazu wurde die Hamburger Dependance der bundesweit agierenden avt plus media service GmbH beauftragt. Auf der gestrigen Sitzung war Startschuss. Im Schnitt 50 bis 60 Zuschauer gleichzeitig hatte der Live Stream und 547 Aufrufe insgesamt.

Allerdings hatten nicht alle Mitglieder ihr schriftliches Einverständnis zu dem Live Stream gegeben. Also fragte das Präsidium kurzerhand, ob alle damit einverstanden seien, dass es den Live Stream gebe – und alle stimmten fröhlich zu. So einfach kann es gehen.

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Fazit: Wenn es nicht die lokale Presse ist, die Videoaufzeichnungen machen möchte, sondern es von „ihrem“ Senat kommt, stimmen auch die Sozen fröhlich zu. Mal schauen, wie sie sich verhalten, wenn die lokale Presse wieder anfragen wird.

Denn die bisherige Verweigerung gegenüber der lokalen Presse, Videoaufzeichnungen zu machen, auf der anderen Seite aber dem Senat hörig zu sein und diese Aufgabe einer überregionalen Firma anzuvertrauen, zeigt eine bedenkliche Haltung gegenüber den lokalen Journalisten. Sie ist geprägt einerseits vom Misstrauen gegenüber den lokalen Journalisten und andererseits von einer nicht unerheblichen Verachtung gegenüber lokalem Journalismus, lokaler Presse und nicht zuletzt den lokalen Journalisten.