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Bezirkswahl 2024: Was wird aus Sophie Fredenhagen?

| Andreas Göhring | Politik
Wie es nach der Wahl am 9. Juni 2024 im Harburger Rathaus aussieht, wird auch über die Zukunft von Bezirksamtsleiterin Sophie Fredenhagen entscheiden. | Foto: Niels Kreller
Wie es nach der Wahl am 9. Juni 2024 im Harburger Rathaus aussieht, wird auch über die Zukunft von Bezirksamtsleiterin Sophie Fredenhagen entscheiden. | Foto: Niels Kreller

Harburg. Alles starrt auf den 9. Juni 2024. In gut einem halben Jahr ist Europawahl. Aber nicht nur das. An dem Sonntag sind die Bürgerinnen und Bürger des Bezirks Harburg auch aufgefordert, ihre neuen Abgeordneten in die Bezirksversammlung Harburg zu wählen. Für die nächsten fünf Jahre. Das ist fast Routine.

Wie wird es nach der Bezirksawahl für Bezirksamtsleiterin Sophie Fredenhagen (hier bei der 1. Mai-Kundgebung des DGB in Harburg in diesem Jahr) weitergehen? | Foto: Niels Kreller

Keine Frage, die nächste Wahl wird anders. Die Stimmung im ganzen Land ist aufgeheizt, und auch im Bezirk Harburg haben sich einige Themen zugespitzt. „Denen werden wir es diesmal aber zeigen“, ist überall in den sozialen Medien zu lesen. Besondere Brisanz bekommt die Wahl im Juni 2024 allerdings, weil drei Monate nach der Wahl die sechsjährige Amtszeit von Bezirksamtsleiterin Sophie Fredenhagen endet. Hat sie eine Chance auf eine zweite Amtszeit? Rein von ihrem Lebensalter her wäre das möglich.

Keine der Parteien wird auch nur den Hauch einer Chance haben, bei der Wahl die absolute Mehrheit zu erzielen, also mindestens 26 der insgesamt 51 Sitze in der Bezirksversammlung zu ergattern. Das heißt: Es wird mit großer Wahrscheinlichkeit Koalitionsverhandlungen mit zwei, vielleicht sogar mit drei Parteien geben. Im Mittelpunkt der Verhandlungen wird die Personalie Fredenhagen sein. Und es geht um noch mehr. Noch ist der genaue Zeitpunkt nicht bekannt, aber wenige Monate nach der Wahl wird Rechtsdezernent Dierk Trispel in Ruhestand gehen.

Sofort werden Erinnerungen an frühere „Deals“ in den Koalitionsverhandlungen wach. Als die schwarz-grüne Koalition 2004 einen Nachfolger für den schwer erkrankten Bezirksamtsleiter Bernhard Hellriegel suchte, nominierte die CDU den Notar Torsten Meinberg. Die Grünen als der kleinere Koalitionspartner schluckte das, weil ihnen zugleich der erste freiwerdende Dezernentenposten zugesichert worden war. So kam 2007 der Vorstandssprecher der Kölner Grünen Jörg Penner zu seinem Job als Harburger Baudezernent.

Ähnlich soll es 2012 in der so genannten GroKo zugegangen sein. Juniorpartner CDU wählte den SPD-Kandidaten Thomas Völsch mit, handelte sich dafür das Versprechen ein, den nächsten vakanten Dezernentenposten bestimmen zu können. Als der Harburger Sozialdezernent Holger Stuhlmann Ende 2016 in die Fachbehörde wechselte, folgte ihm auf Empfehlung der CDU die Historikerin Dr. Anke Jobmann.

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Sollte es nach der Wahl im Juni 2024 wieder zu einer rot-grünen Koalition kommen. wäre eine zweite Amtszeit für Sophie Fredenhagen durchaus denkbar. Die SPD hatte Fredenhagen gegen ihren damaligen Partner CDU durchgeboxt und die Koalition platzen lassen. Warum sollte sie die parteilose Bezirksamtsleiterin dann also fallen lassen? Die Grünen äußern sich ohnehin nur positiv über die Rathaus-Chefin.

Aber: SPD und Grüne sind Parteien der Ampel – und die steht in der Wählergunst zurzeit nicht gut da. Schon wittert die Harburger CDU Morgenluft. Als erste der Harburger Parteien hat sie schon ihre Kandidaten und Kandidatinnen für die Bezirkswahl aufgestellt und erstmal für eine faustdicke Überraschung gesorgt. Nachdem der langjährige Fraktionschef Ralf-Dieter Fischer seinen Rückzug aus der aktiven Politik angekündigt hatte, glühten die Telefondrähte zwischen den CDU-Ortsverbänden. Tatsächlich schaffte es der Marmstorfer Rainer Bliefernicht, sich die Pole Position der CDU-Kandidatenriege zu sichern. Dabei beschädigte er auch gleich noch den amtierenden CDU-Kreisvorsitzenden Uwe Schneider, den er bei der Abstimmung im Kreisausschuss im direkten Duell vernichtend schlug.

Schon träumt Bliefernicht von einer Führungsrolle für ganz Harburg. Zuerst haben aber die Bürgerinnen und Bürger das Wort, dann müsste Bliefernicht gegebenenfalls eine Koalition schmieden. Aus Grünen-Kreisen war schon ein No-Go zu hören, nachdem sich der CDU-Mann im Stadtentwicklungsausschuss in der Diskussion um den Umbau der Haakestraße abfällig über den Klimaschutz („Dafür haben wir zurzeit kein Geld“) geäußert hatte.

Aus der SPD ist gegenwärtig nicht viel zu hören, sie ist offenbar mit sich selbst beschäftigt. Es hat in einzelnen Distrikten wieder jede Menge Parteieintritte gegeben, das Misstrauen in der Harburger SPD ist groß. Nachdem der langjährige Bezirksabgeordnete Torsten Fuß den Genossen Rassismus vorgeworfen hatte und Partei und Fraktion verlassen hatte, soll es jetzt im SPD-Distrikt Harburg-Ost Überlegungen geben, Torsten Fuß als parteilosen Kandidaten ins Rennen zu schicken.

Das alles könnte noch kräftig durchgeschüttelt werden, wenn die AfD ein zweistelliges Ergebnis erzielt, obwohl ihre Vertreter in der jetzigen Legislatur vor allem durch den Bruch der Fraktion Schlagzeilen gemacht haben.

Und der Rest? Die Linke, in Harburg eigentlich recht stabil, muss sehen wie sie mit der Wagenknecht-Partei oder zumindest mit deren Fernwirkung umgeht. Für die FDP sind die Umfragen zurzeit nicht berauschend, können aber auf ihre Zugnummer Viktoria Isabell Ehlers hoffen.

Ja, und dann ist da noch der selbsternannte Rebell vom Gloria-Tunnel Siegfried Kopf. Er hatte vor Wochen die Gründung einer Wählergemeinschaft angekündigt. Seitdem hört man aber nichts mehr davon.

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