Trauer um Gunter Gabriel - der Harburger Sänger überstand die Operationen nach Treppensturz nicht
Harburg/Hannover. Seine vielen Fans, seine Kollegen aus der Schlager- und Country-Szene und vor allem auch eine Menge Harburger trauern um den Sänger Gunter Gabriel, der gestern Vormittag im Alter von 75 Jahren nach einem Treppensturz am Vorabend seines 75. Geburtstags am 11. Juni und drei Operationen in einem Krankenhaus in Hannover gestorben ist. Der Sänger, der seit vielen Jahren auf einem Hausboot aus DDR-Produktion im Harburger Hafen lebte, soll am 10. Juni auf einer Steintreppe gestürzt sein. Unmittelbar zuvor war er noch beim Harburger Binnenhafen-Fest aufgetreten. Es sollte sein letzter Auftritt werden.
Aus dem Management Gabriels hieß es gestern: "Auf einen diagnostizierten dreifachen Bruch des ersten Halswirbels folgten in den vergangenen Tagen drei Operationen in einem Hannoveraner Krankenhaus." Diese Strapazen hat Gabriel, der ohnehin seit längerer Zeit mit Herzproblemen und anderen gesundheitlichen Einschränkungen leben musste, nicht überstanden. "Am Mittwoch Vormittag hat das Herz eines großen Sängers und Musikers aufgehört zu schlagen", heißt es in der Mitteilung.
Gunter Gabriel erlebte alle Höhe und Tiefen des Showgeschäfts und war alles andere als ein angepasster Typ. Sein Aufstieg begann, nachdem einiges nach der Schulzeit nicht nach Wunsch geklappt hatte. Ins Berufsleben startete er zunächst mit einer Schlosserlehre. Anschließend brach er ein Studium zum Maschinenbau-Ingenieur ab. Sein Herz schlug eigentlich schon von Kindheit an nur für die Musik. 1974 folgte nach fragwürdigen Jobs als DJ, Promoter und Künstlerbetreuer der große Durchbruch im deutschsprachigen Raum. Der damals 32-Jährige feierte plötzlich Erfolge mit Hits wie "Komm unter meine Decke", "Er ist ein Kerl", "Ich werd gesucht in Bremerhaven" und "Hey Boss, ich brauch mehr Geld".
Auch der Scheidungssong "Hey, Yvonne, warum weint die Mami" wurde 1974 gleich zum Hit. Gabriel begnügte sich aber nicht nur damit, selbst auf der Bühne zu stehen und sich dabei selbst auf der Gitarre zu begleiten. Gelegentlich schrieb er Songs für Musikerkollegen wie beispielsweise Frank Zander und Roland Kaiser. Mit dem Erfolg verdiente er eine Zeitlang viel Geld. Mit Geld sorgsam umgehen indes war nicht seine Sache. Nach dem Motto "Wie gewonnen, so zerronnen" bekam er bald finanzielle Probleme.
Seine fragwürdigen Investitionen in kanadisches Öl, in Immobilien und viele andere Dinge scheiterten zumeist kläglich, weil der Sänger scheinbar eher schlecht als recht beraten wurde. Nach eigenen Angaben verlor er in kürzester Zeit zehn Millionen Mark. Es folgte der finanzielle Ruin. Zu seinem wechselvollen Leben gehörten aber auch über lange Wegstrecken übermäßiger Alkoholgenuss, Depressionen, gescheiterte Ehen, Prügeleien und gelegentlich auch mal eine Publikumsbeschimpfung: Gunter Gabriel sorgte nicht mehr nur mit der Musik für Schlagzeilen. Aber der Wahl-Harburger, der lange Zeit auch in Berlin gelebt hatte, war auch ein Stehaufmännchen. Vor rund zehn Jahren begann er den Schuldenabbau mit einer guten Idee - mit seinen legendären Wohnzimmerkonzerten vorwiegend im norddeutschen Raum baute er die Schuldenlast kontinuierlich ab.
Danach ging es mit seiner Karriere wieder bergauf. Große Erfolge feierte Gunter Gabriel als der deutsche Johnny Cash. Mehrere Wochen lang gastierte er mit den Johnny-Cash-Musical in Berlin und Hamburg - von seinen und den Cash-Fans frenetisch bejubelt. Sein Motto: "Der letzte Wagen ist immer ein Kombi". Auch die Redaktion von besser-im-blick schließt sich der Trauer um Gunter Gabriel an. Er war vielleicht nicht in allen Belangen ein Vorbild - aber ein guter Mensch war er auf jeden Fall.