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2. Blick zurück auf Harburg 2023: Innovation City im Koma?

| Andreas Göhring | Wirtschaft
Auf dem Abstellgleis: die Vision „Innovation City Harburg“. | Foto: mag
Auf dem Abstellgleis: die Vision „Innovation City Harburg“. | Foto: mag

Harburg. Nach dem ersten Teil unseres Rückblicks auf 2023 (Blick zurück auf Harburg 2023: Manchmal versagt der freie Markt), in dem wir die Bereiche Wohnen und Mobilität kommentiert hatten, soll es heute um Ideen und Visionen für Harburg gehen und was daraus geworden ist.

Obwohl sich nach eineinhalb Jahrzehnten Merkel-Regierung Mehltau übers Land gelegt hatte und die Maxime „Weiter so!“ schon höchst möglichen Änderungen fixierte, gab es hier und da trotzdem Aufbruchstimmung, Ideen und Konzepte. Auf der Suche nach einer Alternative zur vermeintlich allein reich machenden Hafenwirtschaft markierte die Stadt im Einklang mit der Handelskammer die Bereiche Wissenschaft und Forschung und skizzierte vier bis fünf neue Technologieparks für Hamburg.

Auch Harburg war dabei, immerhin hieß es seit Jahrzehnten schon „Hamburgs Zukunft liegt im Süden“. Ein Impulspapier zum Jubiläumsjahr 2007 des „Wirtschaftsvereins für den Hamburger Süden“ brachte neuen Schwung. „Der Wirtschaftsverein will mit seinen Vorschlägen den Anstoß für einen breiten Zukunftsdialog im Hamburger Süden geben. Viele der Maßnahmen und Ideen, die wir vorschlagen, sind weit über den Tag und den üblichen Planungshorizont hinausgedacht“, sagte damals Vorstandsmitglied, Investor und Projektentwickler Udo Stein.

Was wurde aus der "Innovation City Harburg"?

Mehr als zehn Jahre später stand dann eine Vertreterin von Hamburg Invest im Harburger Stadtplanungsausschuss (heute: Stadtentwicklungsausschuss) und stellte die Vision „Innovation City Harburg“ vor, ein moderner Technologiepark von der Schlachthofstraße bis hin zum heutigen „Tempowerk“ in Bostelbek. Mittendrin werkelte „Mister Binnenhafen“ Arne Weber an seinem HIP, dem Hamburg Innovation Port.

Dann kamen Corona, der russische Überfall auf die Ukraine, Energiekrise und ein immer bedrohlicherer Klimawandel. „Innovation City Harburg“ verschwand im Nirwana. Dann las man voller Erstaunen von der Science City rund um das DESY-Forschungszentrum in Bahrenfeld. Offenbar war dieses Projekt krisenresilienter. In Harburg tat sich nicht viel.

Am 8. Mai 2023 endlich stellte sich eine neue Bereichsleiterin der Hamburg Invest Entwicklungsgesellschaft Entwicklungsgesellschaftschaft mbH & Co. KG (HIE) vor. Sie sei jetzt zuständig und baue ein neues Team auf. Allerdings habe die HIE lediglich zwei Flächen an der Schlachthofstraße, ansonsten stünden keine weiteren städtischen Flächen zur Verfügung.

Heiko Stolzenburg, Harburgs Fachamtsleiter Stadt- und Landschaftsplanung, schilderte schließlich, wie schwierig alle Flächen am Radeland zu entwickeln seien und dass das Verfahren schon vor Corona gestoppt worden sei. Mit anderen Worten: Die Innovation City Harburg ist 2023 vorerst ins Koma gelegt worden.

Der Traum von bis zu sechs Hotels im Harburger Binnenhafen, die alle davon profitieren könnten, dass sie an der S3 liegen, jener Linie also, die Touristen ohne umsteigen zu müssen an die Hamburger Hot Spots wie Reeperbahn und Landungsbrücken bringt, ist ebenfalls ausgeträumt. Nur die Mönke-Brüder fangen demnächst an zu bauen und haben mit Hilfe von Projekt-Entwickler Heinrich Wilke auch einen attraktiven Key-Mieter für ihren benachbarten Bürobau gefunden. Klasse, eine echte Harburger Lösung!

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Und macht der Runde Tisch Kultur?

Ein ganz anderes Feld wollte Sozialdezernentin Anke Jobmann beackern. Sie wollte einen Runden Tisch Kultur installieren – nach den Vorbildern vieler anderer Großstädte. Die Idee: Kulturschaffende, Institutionen und Verwaltung setzen sich zusammen, bauen Vertrauen auf und überlegen gemeinsam, wie das kreative Milieu gestärkt werden kann. Dass Harburg Potenzial hat, hatte sich längst herumgesprochen. Klar, dass so etwas immer im Verdacht von staatlich verordneter Kultur steht und möglicherweise konkrete oder gefühlte Abhängigkeiten schafft. Deshalb sollte der Runde Tisch moderiert werden. Allein ein Etat von mickrigen 40.000 Euro reichte nicht aus, ein geeignetes Moderatorenteam zu locken. Zwei Ausschreibungen sind verpufft.

Inzwischen hat Suedkultur, der einst „lose Haufen Harburger Kulturschaffender“ einen Teil der Organisationsarbeit selbst übernommen und damit noch einmal signalisiert, an einem engen Netzwerk aller Beteiligten Interesse zu haben. Ein Blick nicht nur hinter die Kulissen zeigt indes, wie stark das zarte Pflänzchen „Kultur in Harburg“ inzwischen ist – beeindruckend vor allem die Vielfalt – angefangen vom Antikyno, dem Stellwerk oder Marias Ballroom bis hin zu Kulturkneipen wie dem Komm Du, dem Harburger Theater, der Kunstleihe, der einzigartigen „Suedlese“ oder der Fischhalle, längst nicht nur das Wohnzimmer des Binnenhafens. Dazu jede Menge einzelner Kulturschaffender wie die sich rastlos neu ausprobierende Malerin Petra Hagedorn oder Claudia Kulenkampff mit ihrer Kunstkarawane oder der Harburger Stadtmaler Ralf Schwinge oder Henry C. Brinker mit seinem überaus anspruchsvollen Programm im Speicher am Kaufhauskanal oder Gerrit Fischer, besser bekannt als Brozilla, der als Artist in Residence in Detroit gearbeitet hat, regelmäßig die Graffiti-Wand in der Kuhtrift bespielt, dessen Liebe zu Harburg aber bisher nicht so richtig erwidert wird. Warum eigentlich?

Im dritten Teil unseres Rückblicks werden wir uns mit Transparenz der Bezirkspolitik und Mitbestimmung der Bürger und Bürgerinnen beschäftigen.

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