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Damit dies nie wieder geschehe: Gedenken an die Reichspogromnacht in Harburg

| Niels Kreller | Life
Vor dem Portal der zerstörten Harburger Synagoge an der Ecke Eißendorfer Straße/Knoopstraße legten die Teilnehmer Kränze nieder. | Foto: Niels Kreller
Vor dem Portal der zerstörten Harburger Synagoge an der Ecke Eißendorfer Straße/Knoopstraße legten die Teilnehmer Kränze nieder. | Foto: Niels Kreller
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Harburg. Gedenken an die Gräueltaten der Nazis an Jüdinnen und Juden in einer Zeit der Pandemie, unter erschwerten Bedingungen also. Aber auch in einer Zeit, in der der Antisemitismus wieder um sich greift. Beispielsweise in den Theorien der QAnon-Jünger, wenn sie von der Kinderblut saufenden Elite faseln. Eine hetzerische Lüge, deren Ursprünge bis ins Mittelalter zurückgehen und von den Nazis aufgegriffen wurden.

Am 9. November jährte sich die Reichspogromnacht. Vor 83 Jahren brannten die Nazis im gesamten Gebiet des Deutschen Reiches Synagogen und jüdische Einrichtungen nieder, drangsalierten Menschen jüdischen Glaubens, ermordeten und verhafteten sie. In Harburg geschah dies einen Tag später, am 10. November: Die Leichenhalle auf dem Jüdischen Friedhof auf dem Schwarzenberg ging in hellen Pröbstin Carolyn Decke sprach auf dem alten jüdischen Friedhof auf dem Schwarzenberg. | Foto: Niels KrellerFlammen auf, die Tür der Harburger Synagoge in der Eißendorfer Straße wurde gewaltsam aufgebrochen.

Am nächsten Tag stand in der Harburger Tageszeitung, dass sich eine empörte Volksmenge spontan zusammengefunden habe, um ihrer angeblich berechtigten Entrüstung über den feigen Anschlag eines Juden auf einen Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Paris drastischen Ausdruck zu verleihen. Die Reichspogromnacht, dass wissen wir heute, war von den Nazis geplant worden.

Damit dies nie wieder geschehe, veranstaltet die Initiative Gedenken in Harburg seit vielen Jahren am 10. November zusammen mit der Bezirksversammlung Harburg eine öffentliche Gedenkkundgebung anlässlich des Jahrestages. Um aufzuklären, um zu erinnern.

"Wir müssen wachsam sein"

So trafen sich am heutigen Mittwoch wieder rund 70 Menschen rund um die Vertreter der Initiative Gedenken in Harburg, der Bezirksversammlung und des Bezirksamtes, des Deutschen Gewerkschaftsbundes und der Kirche. Nachdem im vergangenen Jahr pandemiebedingt nur in einer kurzen zeremonie Kränze am Synagogenmahnmal an der Ecke Knoopstraße/Eißendorfer Straße niedergelegt werden konnte, begann das diesjährige Gedenken wieder mit der Kundgebung auf dem alten jüdischen Friedhof auf dem Schwarzenberg. Hier sprachen Bezirksamtsleiterin Sophie Fredenhagen und Pröbstin Carolyn Decke, erinnerten an die Schrecken der Pogromnacht und riefen ins Gedächtnis, dass man auch heute aufmerksam sein muss.

Danach ging es im Schweigemarsch hinunter zum Mahnmal, wo die Kränze niedergelegt wurden.Die Omas gegen Rechts hatten dort ein Transparent bereit, auf dem „Antisemitismus tötet" an die Gemeinsam gegen das Vergessen: Pröbstin Carolyn Decke, Bezirksamtsleiterin Sophie Fredenhagen, Klaus Barnick von der Initiative Gedenken in Harburg und Regina Marek, stellvertretende Vorsitzende der Bezirksversammlung vor dem Synagogenmahnmal in Harburg. | Foto: Niels KrellerReichpogromnacht und den Naziterror erinnert wurde. Die Forderung auf dem Transparent: „Kein Vergeben! Kein Vergessen!"

Klaus Barnick von der Initiative Gedenken in Harburg hatte deutliche Worte in Richtung der Hetzer von heute. „Die Vielfalt der Bevölkerung in Harburg und anderswo meinen einige (AfD, NPD, III. Weg) zu kritisieren. Sie sprechen von „Volkstod“, den man stoppen müsste. Deutsche Kinder wären die Zukunft. Sie legen dabei mal wieder fest, was deutsch sei und was nicht und gehen auch schon mal brutaler vor, wollen ‚Volksverräter‘ aufhängen.“ Barnick erinnerte an das Plakat „Hängt die Grünen“ aus dem Bundestagswahlkampf, das ein Gericht sogar zuerst erlaubt hatte. „Sie ermorden schon einmal Menschen, die sich für Geflüchtete einsetzen und greifen auch schon mal eine Synagoge an.“

Er erinnerte an die Mordserie des NSU, das von einem „beispiellosen Versagen der Sicherheitsbehörden“ begleitet gewesen sei. „Das darf sich nicht wiederholen“, forderte Barnick. Einschüchterung durch Terror sei ihre Methode. „All das“, sagte Barnick zum Schluss, „zeigt uns: Wir müssen wachsam sein. Wir aus der Vergangenheit wachsam lernen für die Zukunft, für Demokratie, Freiheit und Vielfalt in Deutschland.“

Rund um den 10. November laufen gerade die Harburger Gedenktage mit einem vielfältigen Programm, das hier zu sehen ist.

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