Genossen uneins: In Sachen Rieckhof geht ein Riss durch die SPD
Harburg. In der Harburger Sozialdemokratie rumort es kräftig in Sachen Rieckhof Kulturzentrum. Bei weitem nicht alle Genossinnen und Genossen, so hört man aus der SPD,
sind damit einverstanden, was Fraktionsboss Frank Richter zusammen mit Grünen und Bezirksamt veranstaltet.
Das wurde am Donnerstag im Kulturausschuss deutlich, wo der Rieckhof wieder Thema war. Das Bezirksamt stellte den Fahrplan für das Interessensbekundungsverfahren (IBV) vor. Deutlich defensiv agierte dabei das Bezirksamt, von deren Seite immer wieder aufs neue betont wurde, dass man aufgrund von Vorschriften an diesem IBV nicht vorbeikäme und dass der Rieckhof sich doch bitte auch bewerben möge. Auch die Baumaßnahmen waren Thema, wo es dadurch, dass der Rieckhof zumindest in Teilen unter Denkmalschutz gestellt wurde, nun auch neues zu bedenken gilt.
Interessenbekundungsverfahren: Von braucht man nicht bis jetzt aber schnell
Als erstes für die SPD ergriff Michael Dose das Wort. Zum IBV wolle er eigentlich nichts sagen, das könne man seiner Ansicht nach sein lassen, verkündete er. "Ich finde das nicht nötig." Dose wich damit deutlich von der Linie von Fraktionsboss Richter ab. Auf der anderen Seite vermittelte die von der SPD für Kultur abgestellte Natalia Sahling, dass es ihr mit dem IBV nicht schnell genug gehen könne.
Das vermittelt auch in etwa die Bandbreite, die in den Diskussionen innerhalb der Partei vorherrschen soll. Auf der einen Seite die Genossen, die den Rieckhof schätzen, ihn als etwas (für einige das einzige) ansehen, was die Harburger SPD originär an wirklich Tollem in Harburg geschaffen hat. Auf der anderen Seite Richter und seine Truppen. Der schimpft nach allem Bekunden ordentlich auf Rieckhof-Geschäftsführer Jörn Hansen, mit dem er nach Berichten aus der Partei auch nicht mehr reden möchte.
Richter-Truppen lassen Finanzsenator und Bundestagsabgeordneten dumm da stehen
Bei allem nehmen Richter und seine Truppen in Kauf, dass andere sozialdemokratische Mandatsträger recht dumm da stehen. Wie Finanzsenator Andreas Dressel und der Wahlkreisabgeordnete im Bundestag Metin Hakverdi. Die waren noch im November vergangenen Jahres im Rieckhof, die Taschen voller Geld für dringende Sanierungsarbeiten am Haus.
Natürlich gab es dabei von den beiden auch viel Lob für die tolle Arbeit des Rieckhof und Grinsefotos mit Jörn Hansen und Harburgs oberster Verwalterin Sophie Fredenhagen für die Presse.
Was die beiden zu dem Zeitpunkt nicht wussten: Während die Harburger SPD sie als Grüßonkel mit Geschenken in die Kameras lächeln ließ, arbeiteten andere Sozen schon hinter verschlossenen Türen daran, einen neuen Träger für das Haus zu suchen. Finanzsenator und Bundestagsabgeordneter dürften sich seitdem ziemlich durch den Kakao gezogen vorkommen.
Welchen Einfluss hat die Rieckhof-Frage auf die Wahl
Spannend dürfte auch sein, welchen Einfluss dieses Verhalten auf das Wahlergebnis im September haben wird. Zwar glaubt Richter, dass die sozialdemokratischen Wähler (also diejenigen, die es noch gibt Anm.d.Red.) zu unterscheiden wüssten zwischen Kommunal- und Bundespolitik. Dass die Rieckhof-Frage aber vielleicht bei den Wählern einfach das berühmte Tröpfchen ist, das das Fass der stetigen Enttäuschungen, die sie mit der SPD erlebt haben, zum Überlaufen bringt, die Idee kommt Richter anscheinend nicht in den Sinn.
Hakverdi scheint sich da nicht so sicher zu sein. Die kommunalpolitische Auseinandersetzung in Bezug auf den Rieckhof verfolge er aufmerksam in der Presse, erklärte Hakverdi auf Nachfrage von besser-im-blick. „Ich wünsche mir eine baldige Beilegung dieser Auseinandersetzung. Ich hoffe auf einen Konsens aller beteiligten Akteure.“ Der Rieckhof, so Hakverdi, sei eine wichtige kulturelle Institution für das Seeveviertel und für den Bezirk Harburg.