Viktoria Ehlers: Bewegende Worte zum Abschied aus der Bezirksversammlung
Harburg. Das Ende einer Legislatur ist auch oftmals eine Zeit für Abschiede – beispielsweise aus der Harburger Bezirksversammlung, die im Juni neu gewählt wird. Am gestrigen Dienstag nutzte die FDP-Fraktionsvorsitzende Viktoria Isabell Ehlers die Aktuelle Stunde, um sich von dem Gremium und den Kollegen zu verabschieden. Ihre Partei hatte sie nicht wieder aufgestellt (besser-im-blick berichtete: Bezirkswahl 2024: FDP Harburg schasst ihr Zugpferd! ).
Zu Beginn erinnerte sie daran, wie sie vor rund 12 Jahren als damals 19-Jährige in die Bezirksversammlung kam – und voller Elan, Tatendrang und vor allem dem Glauben, etwas bewirken zu können, aktiv wurde. Der erste Antrag, dass die Straße vor der TU umbenannt werden solle, wurde angenommen. „Das war mein Start in die Bezirkspolitik. Und ich dachte WOW, ein Antrag, eine Rede, Zustimmung. Ich kann hier richtig was bewirken“, sagte Ehlers. Aber dann habe sie die Grenzen der Bezirkspolitik schnell kennengelernt. Nichtsdestotrotz: „Ich bin der Auffassung, dass es eine Ehre ist, hier mitwirken zu dürfen“, sagte sie. Andere Bezirksversammlungen würden in langweiligen Bürogebäuden tagen, die Harburger aber „in diesem wunderschönen Rathaus“. „Da zieht man sich ordentlich an für die Sitzungen, hört den Rederinnen und Rednern zu und lässt für zwei bis drei Stunden mal das Onlineshopping bleiben.“
Am meisten in ihrer Zeit in der Harburger Bezirksversammlung habe sie die Flüchtlingskrise 2015 bewegt - und da auch die Machtlosigkeit der Bezirkspolitik. „So sehr wir um maßvolle Verteilung gebeten haben, so sehr wurde uns jede Neueinrichtung oder Aufstockung lediglich zur Information vorgelegt“, erinnert sich Viktoria Isabell Ehlers.
Für die Zukunft wünsche sie sich angesichts der finanziellen Sorgen in der kommenden Legislatur maximale Transparenz bei der Mittelvergabe. Ehlers ist sich nahezu sicher, dass einige Träger enttäuscht werden. „Ich hoffe, Sie handeln weise bei Absagen und Kürzungen.“
Die Harburger Innenstadt brauche viel Aufmerksamkeit, führte Ehlers aus. Sie lege dem Wirtschaftsausschuss eine stärkere Zusammenarbeit mit Harburg Marketing und Antonia Marmon nahe, die sie „für einen echten Glücksgriff für Harburg“ halte. Sie sei auch gespannt, was aus dem Karstadt-Gebäude wird.
Zum Schluss richtete Ehlers ihren dringlichsten Appell an die nächste Bezirksversammlung: „Schaffen Sie es, diesen aufkeimenden Antisemitismus zu ersticken! In Harburg ist kein Platz für Hetze und Demokratiefeindlichkeit! Wir müssen unseren Freunden, Nachbarn und Arbeitskollegen stets uns ständig vorleben, wie wichtig und schützenswert unser Land, unsere vielfältigen Leute und unsere Demokratie sind.“
Mit ihrer Rede hinterließ Viktoria Isabell Ehlers Eindruck bei ihren Kolleginnen und Kollegen. Ruhig war es während sie sprach und auch im Anschluss an den Applaus wollte offensichtlich keiner den Eindruck, den Ehlers hinterließ, durch eigene Worte stören. Eine inhaltliche und respektvolle Sternstunde der Bezirksversammlung. Gerne würde man mehr solch bewegende Beiträge in der Zukunft hören.
