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Schulschließungen: Fährt das „Unternehmen Erzbistum Hamburg“ an die Wand?

| Niels Kreller | Wirtschaft
Rund 150 Besucher zählte die Ausschussitzung zum Thema der Schließung katholischer Schulen am Dienstagabend im Rieckhof. | Foto: Niels Kreller
Rund 150 Besucher zählte die Ausschussitzung zum Thema der Schließung katholischer Schulen am Dienstagabend im Rieckhof. | Foto: Niels Kreller

Harburg. „Wenn das Erzbistum eine GmbH wäre, dann müssten wir Insolvenz anmelden!“ So schilderte Ansgar Thim, Generalvikar des Erzbistums Hamburg, auf der Sondersitzung des Ausschusses für Soziales, Bildung und Integration der Bezirksversammlung am Dienstagabend im Rieckhof die Lage. Es sind der Pensionsfonds der verbeamteten Lehrer und die nötigen Investitionen in marode Schulgebäude, die zum Beschluss der Schließung von bis zu acht katholischen Schulen geführt hätten. Bei der Übernahme des bis dato eigenständigen Schulverbandes in das Erzbistum habe man nicht gewusst, wie viel an Investitionen wirklich getätigt werden müsse. Grundlage für die schnelle Entscheidung ist ein Gutachten der Unternehmensberatung Ernst&Young. Wenn man jetzt nicht sofort handle, seien vielleicht nicht acht sondern mehr Schulen, die in einem Jahr geschlossen werden müssten.

Kirche sucht nach Investoren ohne Gegenleistung

Generalvikar Ansgar Thim versuchte sich im Rieckhof mit Rechtfertigungen. | Foto: Niels Kreller
Generalvikar Ansgar Thim versuchte sich im Rieckhof mit Rechtfertigungen. | Foto: Niels Kreller

In Harburg trifft es nach dem Willen des Erzbistums auf jeden Fall das Niels Stensen Gymnasium in Harburg (NSG). Für die Katholischen Schulen Harburg und Neugraben gibt es ein Moratorium - die Schließung soll verhindert werden. Dafür sucht das Erzbistum nun Investoren, die fehlenden Millionen für benötigte Investitionen tragen – allerdings möchte die Kirche die Trägerschaft behalten. Man stehe aber, erklärte Thim auf Nachfrage des CDU-Abgeordneten Uwe Schneider, mit der am vergangenen Freitag gegründeten Schulgenossenschaft in Kontakt. Auch müsse man in der Bischofskonferenz diskutieren, ob reichere Bistümer sich solidarisch an der Finanzierung beteiligen.

Vor rund 150 Besuchern und Bezirkspolitikern musste Thim zugeben, dass man im Erzbistum seit rund 20 Jahren von der Schieflage wisse. Eine Maßnahme zur Sanierung sei das Anheben des Schulgeldes. „Sozialverträglich“, wie Dr. Anne Hutmacher, Referatsleiterin Schulaufsicht des Erzbistums erklärte. Denn im Moment zahle im Durchschnitt jeder Schüler einer katholischen Schule 48 Euro im Monat. Gedeckelt sei der nach Einkommen gestaffelte Betrag bei 100 Euro – bis zu 200 Euro im Monat sind in Hamburg möglich. Alle drei Harburger Schulen liegen in ihrem Schnitt unter dem Landesdurchschnitt von 48 Euro.

Schulschließungen erst der Anfang?

Ob auch andere Gebäude des Erzbistums von Schließung oder Verkauf bedroht seien, wollte Sebahattin Arras, Abgeordneter der Linken wissen - schließlich ginge es in dem der Sitzung zugrunde liegenden Antrag der GroKo auch um diese Frage. Bei der Antwort Thims ging ein ungläubiges Raunen durch die Reihen. Denn die Kirche habe, so Thim, gar keinen genauen Überblick über Gebäude und Grundstücke, die der Kirche gehören. Den werde es aber geben, versprach er, konnte aber schon kundtun, dass es zwar keine Schließung von Kitas geben würde, Gemeindehäuser aber wohl schon.

„Sie haben keine Struktur“

Die Harburger waren über solch dargelegte Schlampigkeit im Umgang mit Lehrern, Schülern, Eltern und Gemeinden empört. „Sie haben ein Wirtschaftsgebaren an den Tag gelegt, das man hier sonst nur vom HSV kennt“, wetterte Thomas Schlamp, Vater zweier Schüler des NSG. Er habe keine wirklichen Argumente gehört, so Henning Reh. Es komme immer nur „Das Invest lohnt sich nicht, weil sich das Invest nicht lohnt.“ Jaques Coste, Schulsprecher des NSG, stellte Thim und Hutmacher ein vernichtendes Zeugnis aus. „Wenn ich Ihr Lehrer wäre und Sie mir diesen Aufsatz abgegeben hätten, hätte ich Logik daneben geschrieben. Sie haben keine Struktur“, stellte er sachlich fest. Mehrfach wurde auch – unter Beifall – vor einer Austrittswelle gewarnt.

Meine Meinung: Die Schäfchen müssen mehr Wölfe werden

Kommentar. Das Erzbistum Hamburg sieht sich offenbar als Unternehmen. Deshalb hat es auch eine Unternehmensberatung beauftragt, sich mit der (hausgemachten) Finanzmisere zu befassen. Und deshalb befindet sich dieser Artikel bei uns auch in der Rubrik „Wirtschaft“.

Die Unternehmensberater von Ernst&Young haben betriebswirtschaftliche Empfehlungen abgegeben. Denn nichts anderes sind die angekündigten Schulschließungen. „Gesundschrumpfen“ nennt man das. Dabei werden die unrentabelsten Teile des Konzerns abgewickelt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass alle drei Harburger Schulen unterdurchschnittliche Schulgeldeinnahmen zu verzeichnen haben.

Die hausgemachte und seit Jahren bekannte wirtschaftliche Schieflage (Auch Generalvikar Thim gab am Dienstag zu, seit Jahren davon gewusst zu haben) wird auf dem Rücken von Lehrern, Schülern, Eltern und den Gemeinden ausgetragen – und keiner der Verantwortlichen ist bereit, persönliche Konsequenzen zu ziehen. Stattdessen erklären sie den Leidtragenden, wie schlimm auch sie das alles finden.

Thim&Co können froh sein, dass das Erzbistum keine GmbH ist. Denn wenn es das wäre, dann wäre es nicht nur insolvent, sondern einige stünden wohl auch wegen Insolvenzverschleppung vor Gericht. So aber ist das Schlimmste, was passieren kann, dass das Erzbistum aufgelöst und an Rom geht. Aber vielleicht wissen sie dort wenigstens, wie viele Gebäude und Grundstücke die Kirche hat.

Vielleicht hat der vehemente Protest die Kirchenoberen überrascht. Aber anscheinend noch nicht so weit in die Bredouille versetzt, persönlich für ihr Versagen gradezustehen. Aber welcher „Investor“ wird diesen Leuten noch Geld anvertrauen wollen? Da braucht es wohl noch etwas mehr Druck der „Schäfchen“ auf ihre „Hirten“. Ein bisschen mehr Wolf im Schafspelz täte da gut.

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