SPD hält Kulturschaffende offenbar für 'Sozialschmarotzer'
Harburg. Einen richtigen Schlag ins Gesicht für alle Kulturschaffenden hat sich auf der Sitzung der Bezirksversammlung die von der SPD für Kultur abgestellte Natalia Sahling geleistet. Die DIE LINKE. hatte beantragt, dass das HABIBI-Atelier nicht wie von SPD und Grünen gewollt nur bis zum Ende des ersten Halbjahres 2022, sondern das ganze Jahr finanziert wird. „Das Besondere am HABIBI-Atelier ist, dass es Menschen jeglicher Herkunft eine Anlaufstelle bietet“, begründete Heiko Langanke, Mitglied der Fraktion der DIE LINKE, den Antrag. Dort würden Werte wie Respekt und friedliches Miteinander vermitteln und es fände eine „kreative und unermüdliche Arbeit gegen Missstände“ statt. Eine Aufgabe, die, wie Langanke anführte, eigentlich staatliche Aufgabe sei.
Für Rot-Grün begründete die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Natalia Sahling die Ablehnung des Antrags. Man finanziere das Atelier seit vielen Jahren aus bezirklichen Mitteln. Die SPD-Fraktion aber frage sich, wie man mit Haushaltsmitteln umgehe, die begrenzt seien.
Man fände die Arbeit auch ganz wichtig. Und vielleicht, so Sahling, gebe es bald andere Töpfe für die Finanzierung.
Aber: „Wir unterstützen keine Dauerfinanzierung mehr aus bezirklichen Mitteln“, gab Sahling die Marschrichtung rot-grüner Kulturpolitik in Harburg vor. Die Projekte müssten nach einer Anschubfinanzierung auf eigenen Beinen stehen. „Wir wollen keine Künstler verstetigen“, sagte Sahling kalt in Richtung der Kulturschaffenden. Man wolle Vielfalt fördern.
Der Antrag der DIE LINKE. wurde mit den Stimmen von SPD, Grünen, AfD und FDP abgelehnt. Die CDU enthielt sich. Nur die DIE LINKE. stimmte für die Finanzierung.
Meine Meinung: SPD hält Kulturschaffende offenbar für 'Schmarotzer'
Die SPD hält Künstler, deren Arbeit nicht kostendeckend ist und die öffentliche Finanzierung brauchen, für 'Sozialschmarotzer', die dem Staat und damit den Bürgern auf der Tasche liegen. Anders lässt sich diese Vorstellung, die Natalia Sahling in der Bezirksversammlung gegeben hat, nicht deuten. Sie unterwirft damit die Kultur betriebswirtschaftlichen Kriterien: Es muss sich rechnen - unterm Strich muss mindestens eine schwarze Null stehen.
Aber gerade Kultur, die sich kritisch mit dem gesellschaftlichen Mainstream auseinandersetzt, Kunst, die sich um sogenannte Randgruppen kümmert, Underground-Kultur, ist eben nicht einfach so kostendeckend. Um das zu erreichen, müssten die Kulturschaffenden den Kern ihrer Kunst aufgeben. Denn in den allermeisten Fällen besteht man als Künstler im Verwertungsprozess nur dann, wenn man macht, was die Mehrheit schön findet.
Und genau das ist es, wozu Natalia Sahling mit dieser Marschrichtung Kulturschaffende in Harburg faktisch zwingen möchte: „Schönes“ zu machen, was Geld bringt. Nicht, was Menschen nützt. Nicht, was die Gesellschaft positiv voranbringt und verändert. Es muss einfach nur schön aussehen, sich harmonisch anhören, bei den Menschen gut ankommen - und vor allem Kohle einbringen.
Eine solche Vorstellung von Kultur ist schlicht erbärmlich.