Rieckhof: In der SPD rumort es | Sind die Grünen Nutznießer?
Harburg. Das erste Gespräch zwischen Rieckhof und der SPD hat am Mittwoch stattgefunden. Für den Trägerverein nahm neben Vorstandvertretern auch Geschäftsführer Jörn Hansen teil; auf Seiten der SPD kamen der stellvertretende Harburger SPD-Vorsitzende Sören Schumacher, der SPD-Fraktionschef Frank Richter und die von der SPD-Fraktion für Kultur abgestellte stellvertretende Fraktionsvorsitzende Natalia Sahling. Beide Seiten betonten nach dem Gespräch, dass es konstruktiv verlaufen sei und dass mindestens ein weiteres folgen soll.
„Wir hatten ein Gespräch in angenehmer und konstruktiver Atmosphäre. Wir werden den begonnenen Dialog fortsetzen“, erklärte Sören Schumacher.
Derweil rumort es freilich ganz kräftig in der SPD Harburg. Nicht wenige Genossinnen und Genossen scheinen mit der Linie von SPD-Fraktionschef Frank Richter nicht einverstanden zu sein. Der unterstützt Harburgs aktuelle „Kultur-Dezernentin“ Anke Jobmann und die Grünen darin, so schnell wie möglich ein Interessenbekundungsverfahren für den Rieckhof in die Wege zu leiten. Und lässt zu, dass die SPD-Fraktion von der „Kultur-Dezernentin“ dabei am Nasenring durch die Manege ge- und vorgeführt wird, die ja gleichzeitig findet, dass die Politik bei all dem nichts zu sagen haben soll.
Sozialdemokratische Geschichte auf den Müllhaufen der Geschichte?
Das missfällt vielen Genossen. Schließlich ist der Rieckhof in seiner jetzigen Form auch ein Stück Geschichte der Harburger Sozialdemokratie, die nun auf dem sprichwörtlichen Müllhaufen der Geschichte landen soll. So haben sich einige der „alten Hasen“, die sich für die Entstehung des Rieckhof eingesetzt haben, zu Wort gemeldet - darunter auch ehemalige Kreisvorsitzende.
Auch erste SPD-Distrikte haben sich nach Informationen von besser-im-blick in die Debatte eingebracht. Und zwar mit Beschlüssen, die sich an den Kreisvorstand der SPD Harburg richten. In denen, so wurde besser-im-blick berichtet, wird unter anderem die Beendigung der Bemühungen um ein Interessenbekundungsverfahren für das Gebäude in der Rieckhoffstraße gefordert.
Werden die Grünen Nutznießer der SPD-Politik?
Die „Causa Rieckhof“ könnte auch Auswirkungen über Harburg hinaus haben. Denn immerhin steht in diesem Jahr die Bundestagswahl
an und es geht für die SPD darum, das Direktmandat von Metin Hakverdi im Wahlkreis Bergedorf-Harburg-Wilhelmsburg zu verteidigen. Und da könnten, so deuten zumindest die Wahlergebnisse der vergangenen Bezirkswahl an, die Grünen sich Chancen ausrechnen, dieses Mandat der SPD abzujagen. In einem Wahlkreis, der eigentlich sozialdemokratisches Stammland ist. Aber bei der Bezirkswahl sind die Genossen gerade so mit einem blauen Auge gegenüber den Grünen davongekommen, hatten aber bei der gleichzeitig stattfindenden Europawahl zum ersten Mal das Nachsehen.
Das könnte auch das aktuelle Schweigen der Grünen erklären, die sich aufgrund des unbeholfenen Agierens der SPD zurücklehnen und sich mit klammheimlicher Freude über den Wahlkampf für sie freuen könnten. Dem grünen Wahlkreiskandidaten Manuel Sarrazin wird dieses Handeln der SPD nicht schaden.
SPD-Verhalten wirft schlechtes Licht auf Finanzsenator Dressel
Zudem wirft das Vorgehen der SPD auch kein gutes Licht auf Finanzsenator Andreas Dressel (SPD). Der war im November vergangenen Jahres freudestrahlend in den südlichen Bezirk der Hansestadt zum Rieckhof geeilt, um dort eine ordentliche Finanzspritze für Renovierungs- und Sanierungsarbeiten am Kulturzentrum zu verkünden. Und sich aus diesem Anlass mit Bezirksamtsleiterin Sophie Fredenhagen (die zu diesem Zeitpunkt schon von dem Vorhaben des Interessenbekundungsverfahrens wusste), Metin Hakverdi und Rieckhof-Geschäftsführer Jörn Hansen für die Zeitungen ablichten ließ.
Aber ist ja eigentlich auch egal – denn der Finanzsenator hat laut Aussage des Bezirksamtes auf eine Kleine Anfrage der CDU-Fraktion auch nichts zu sagen.